l       Petra Dörfert M.A.                                 DAV-Geprüfte Astrologin



                   

Woher kommt die Astrologie?

Die Astrologie hat ihre Wurzeln bei den Gelehrten des alten Orients. Schon in Babylon (2. Jahrtausend v. Chr.) beschäftigte man sich damit, die Himmelserscheinungen aufzuzeichnen und Zusammenhänge mit irdischen Ereignissen herzustellen. Allerdings war man dabei nur an Angelegenheiten interessiert, die das Staatswesen und das Herrscherhaus betrafen (z.B. Ernten, Kriege, Geburt von Thronfolgern etc.). Die individuelle Persönlichkeit geriet erst im antiken Griechenland in den Blick, wo das Geburtshoroskop endgültig in die Form gebracht wurde, die wir bis heute kennen (12 Sternzeichen, 12 Häuser, Planeten, Aspekte etc.).

 

Und wie funktioniert sie...?

Der größte Haken an der Astrologie ist, dass leider bis heute keiner so genau weiß, wie sie funktioniert. Eigentlich kann man eher sagen, wie sie nicht funktioniert, d.h. es gibt zum Beispiel mit hoher Wahrscheinlichkeit keinen direkten physikalischen Einfluss der Planeten auf irdische Vorgänge (auch wenn der englische Astronom Percy Seymour in seinem Buch: Astrologie. Beweise der Wissenschaft, Frankfurt a.M. 1992, die These aufstellt, dass zwischen der Erde und den Planeten Magnetfelder wirken). Ebenso handelt es sich bei den Sternzeichen lediglich um symbolische Zusammenstellungen der am Himmel sichtbaren Sterne, die kulturbedingt auch anders ausfallen können: Zum Beispiel wurden die Sterne der Waage bis ins 3. Jh. v.Chr. hinein als die "Scheren des Skorpions" interpretiert, so dass es lange Zeit nur 11 Sternzeichen gab. Die australischen Aborigines hingegen unterteilen den Himmel in nur wenige große Sternbilder, die fast das ganze Himmelsgewölbe umfassen. Da Sternbilder keine objektiven Tatsachen sind, können sie jedoch kaum eine physikalische Wirkung entfalten.

 

Aber dennoch...

Das, was Astrologen (und deren Klienten) jedoch zu allen Zeiten von der Astrologie überzeugt, sind die sog. "Evidenzerlebnisse". Zu Beginn der Beschäftigung mit der Astrologie faszinieren diese ganz besonders, d.h. man stellt immer wieder fest, dass wichtige äußere Ereignisse mit aussagekräftigen Sternenkonstellationen zusammenfallen. Wer etwa eine ungewöhnlich einschneidende und aufwühlende Lebenskrise hinter sich hat und dann als Astrologie-Neuling feststellt, dass in dieser Zeit Pluto über seine Sonne gegangen ist (was er im Laufe des Lebens, wenn überhaupt, nur einmal tut), wird ziemlich beeindruckt sein - zumal diese Erkenntnis den Schlüssel zum Sinn des Erfahrenen bietet. Die Gefahr dabei ist, dass man erst einmal eine übertriebene Erwartungshaltung ausbildet und im Umkehrschluss meint, jede Planetenbewegung bringe umstürzlerische Veränderungen mit sich. Es dauert eine Weile, bis man sich auf eine realistische Einschätzung der zu erwartenden Ereignisse einpendelt. Später fasziniert einen an der Astrologie dann vor allem, dass man durch sie in der Lage ist, über Menschen, die man nie zuvor gesehen hat, zutreffende Aussagen zu machen - gemeinhin schneller als Psychologen, die meist mehrere Therapiesitzungen brauchen, um bei einem Klienten die Kernprobleme benennen zu können. Je länger man sich mit Astrologie beschäftigt, desto mehr verfestigen sich diese Evidenzerlebnisse zu der Gewissheit, dass Astrologie "funktioniert". Gleichzeitig sammelt man mehr und mehr Erfahrungswissen, durch das man in seinen Deutungen immer sicherer wird.

 

Wie oben, so unten

Eine Brücke, sich das Rätsel der Astrologie zu erklären, ist die uralte Weisheit des "Wie oben, so unten", die besagt, dass alles im Kosmos eine große Entsprechung bildet, d.h. alles zu allem in Analogie steht. Wer sich darunter nichts vorstellen kann, sollte einmal eine makroskopische Abbildung der Galaxien mit einer mikroskopischen Abbildung aus unserem Körperinneren vergleichen. Er wird verblüfft feststellen, dass man fast nicht mehr unterscheiden kann, was was ist. Für die Astrologie bedeutet das, dass die Planetenbewegungen eine Entsprechung zu den irdischen Vorgängen bilden und damit anzeigen, was sich momentan "hier unten" tut. Wird ein Kind geboren, so liefert die Sternenkonstellation seines Geburtsmomentes ein wundersam perfektes Abbild seiner Persönlichkeit.

 

Astrologie ist eine Kunst

Die Aufgabe des Astrologen besteht darin, die für sich gesehen vollkommen abstrakten Sternenkonstellationen und Sternenbewegungen am Himmel richtig zu "übersetzen" und zu deuten (weshalb man in früheren Zeiten auch von "Sterndeutung" sprach). Astrologie ist damit eine der Hermeneutik (=Textdeutung) ähnliche Kunst der Interpretation und Auslegung. So wie sich der Hermeneut fragt, was der zu interpretierende Text wirklich "meint", und sich der Übersetzer genau überlegen muss, welche Übersetzung die jeweils "richtige" und passende ist, so versucht der Astrologe die bestmögliche Deutung einer Sternenkonstellation herauszuarbeiten. Dazu müssen alle Horoskopfaktoren miteinbezogen werden, zudem ist die abstrakte Aussage des Horoskops mit der realen Person und ihrer Geschichte in Beziehung zu setzen. Es geht darum, die "Sprache der Sterne" so zu entziffern, dass sich der Klient verstanden und "gemeint" fühlt und mit den Deutungen auch etwas anfangen kann.

 

Astrologie ist eine Philosophie

Da Astrologie zunächst einmal nichts anderes als eine kunstvolle Übersetzungsleistung ist, deren Inhalte aber nicht minutiös festgelegt sind, hat die Astrologie im Laufe der Menschheitsgeschichte schon viele Epochen überdauern können und dabei stets Religion, Welt- und Menschenbild derjenigen Kultur angenommen, in der sie praktiziert wurde: Es gab sie im alten Babylon, in Ägypten, China, Mittelamerika, im hinduistischen Indien, im buddhistischen Tibet und an den Höfen der moslemischen Sultane. Die Deutungsinhalte der westlichen Astrologie weisen zwar seit dem antiken Griechenland klare Konstanten auf, dennoch hat sich seither viel verändert. Den größten Einschnitt stellt die Einbeziehung psychologischer Inhalte in die Astrologie zu Beginn des 20. Jahrhunderts dar. Seither betrachtet man das Horoskop nicht mehr als fatalistische Aussage über unverrückbare Charaktereigenschaften und unvermeidliche Ereignisse (im Sinne etwa von "gottgewolltem" Schicksal), sondern als Aussage über psychologische Tiefenstrukturen, die an der Oberfläche bestimmte Charakterzüge und Ereignisse hervorbringen, die jedoch positiv veränderbar sind. Gab es im Mittelalter noch eine klare Trennung von "guten" und "schlechten" Konstellationen, interpretieren wir heute die meisten dieser problematischen Konstellationen als zu befreiende Potentiale, Entwicklungsaufgaben und Chancen, die nur dann destruktiv werden, wenn wir uns ihnen nicht stellen. Genauso hat sich bezüglich des Geschlechterverhältnisses vieles verändert: Bekam eine Widder-Frau in der astrologischen Beratung noch vor 50 Jahren etwas von "ungünstiger Veranlagung", "zu heftigem Temperament" und "Mäßigung" zu hören, wird sie heute eher dazu ermutigt werden, ihre feurigen Energien auszuleben, egal wie "mann" das findet. Es ist also wichtig, sich klar zu machen, vor welchem geistigen Hintergrund Astrologie betrieben wird.

Das Weltbild der westlichen Astrologie hat sich heutzutage aus den religiösen Kontexten gelöst und wird im Wesentlichen von zwei Grundannahmen geleitet, die ich als "Philosophie der Selbstentfaltung" beschreiben würde (was natürlich viel mit unserer momentanen Wertschätzung von Selbstbestimmung und individueller Freiheit zu tun hat):

 

Zufall oder Vorherbestimmung?

Zum Abschluss noch einige astro-philosophische Fragestellungen, über die man als Astrologe dennoch immer wieder ins Grübeln kommt:

Gibt es eine Vorherbestimmung?

Ist das Horoskop Ausdruck des Zufalls, eben zu dieser oder jener Minute geboren worden zu sein? Oder handelt es sich doch um Vorherbestimmung? Warum hat der eine "leichtere", der andere "schwierigere" Konstellationen? Ungerechtigkeit der Natur - oder bringt man doch "karmische Belastungen" und "Aufgaben" mit ins Leben? Gibt es eine Art Schicksal, einen Auftrag, einen aus dem Horoskop ablesbaren Lebensplan oder sind wir einfach so "ins Leben geworfen"?

Prägt uns das Radix?

Womit man auch vor dem Problem von "der Henne und dem Ei" steht: Was ist zuerst da? Eine bereits "ausgebildete" Seele mit Vorgeschichte (z.B. durch Vorleben), die sich einen Geburtsmoment (genauso wie eine Familie, bestimmte Lebensumstände, bestimmte Gene) wählt, der zu ihrer Veranlagung passt, oder eine "unbeschriebene" Seele, die allein durch den astrologischen Geburtsmoment (der auch etwas über die Familie, die Lebensumstände, die Gene aussagt) geprägt wird? Oder anders gesagt: Hat das Radix wirklich einen Einfluss auf uns oder ist es nur Ausdruck unserer schon vorhandenen Persönlichkeit?

Wieviel Freiheit haben wir wirklich?

Angesichts der vielen Elemente, die Einfluss auf unser Leben nehmen, stellt sich natürlich die Frage, wie groß tatsächlich der Spielraum unserer Willensentscheidungen ist. Inwieweit können wir unser Schicksal selbst bestimmen und wo verläuft die Grenze des individuell nicht mehr Beeinflussbaren, "Unabwendbaren", womöglich "Vorherbestimmten"? Vielleicht ist ja das, was man selbst als eine aus eigener Kraft herbeigeführte, positive Wendung seines Lebens empfindet, bereits von Geburt an ins "Goldene Buch des Lebens" eingeschrieben? Selbstverständlich halte ich an der Grundüberzeugung fest, dass wir unser Leben selbst in die Hand nehmen können/müssen/sollen (denn anders kann man ja gar nicht existieren und auch nicht konstruktiv beraten!) - aber womöglich machen wir uns da nur etwas vor...?

 

© Petra Dörfert 2002